Das Abitur ist geschafft, das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife in der Tasche und was jetzt? Durch Umstellung von G9 auf G8 waren viele Schulabsolventen sehr jung. Seit dem Wegfall der Wehrpflicht waren auch die männlichen Abiturienten vereinzelt 17, maximal mal 19 Jahre alt. Ein Alter an dem es erstmals gilt eine weitreichende Entscheidung zu treffen – eine Entscheidung für einen Studiengang oder eine Berufsausbildung muss getroffen werden.

Vielen fällt diese Entscheidung in dem jungen Alter schwer. So scheint es doch die erste wirklich große Entscheidung zu sein, die auch weiterreichende Konsequenzen hat oder haben kann. Das gesamte soziale Umfeld richtet den Blick auf den Jugendlichen und projiziert Erwartungen auf ihn.

Flucht vor der Entscheidung – das GAP-Year

Einige Abiturienten scheuen sich vor der Entscheidung und treten erst einmal die Flucht nach vorne an und planen ein GAP-Year. Die modern gewordene Auszeit suggeriert Zeitgewinn und Aufschub der Entscheidung. Hierbei gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten diese schöne Auszeit zu gestalten. Seit dem Wegfall der Wehrpflicht scheint es einen neuen Trend zum freiwilligen Wehrdienst zu geben. Alternativ suchen eine große Anzahl karitativer und sozialer Einrichtungen Freiwillige, die gerne ein freiwilliges soziales Jahr machen.

Diese Form gibt es auch in Form der Freiwilligenarbeit im Ausland. Andere versuchen sich als AuPair oder suchen das Weite in Form von Work und Travel, bevorzugt in Australien oder Neuseeland. Eine weitere Möglichkeit, die auch der Studienwahl und nicht nur der Persönlichkeitsentwicklung zuträglich ist, sind Praktika, die helfen können eine konkrete Idee der Berufswelt zu entwickeln und die Studienentscheidung zu konkretisieren.

Ein Gap-Year hat viele positive Aspekte für die Jugendlichen. Man lernt oder vertieft eine Sprache, man entwickelt seine Persönlichkeit weiter, man lernt neue Kulturen kennen, lernt Disziplin bei der Bundeswehr usw. All diese Aspekte können förderlich für die Erleichterung der Studienwahl sein, müssen es aber nicht. Die Entscheidung für ein konkretes Studium oder für eine Berufsausbildung sind beeinflusst durch eine Vielzahl persönlicher und sozialer Faktoren.

Faktoren der Berufs- oder Studienwahl

Persönliche Faktoren sind die Interessen, Neigungen, Fähigkeiten, Potenziale und persönliche Charaktereigenschaften der Person. Hier spielt auch die allgemeine Entscheidungsfähigkeit eine Rolle. Zu den sozialen Faktoren zählen der soziale Hintergrund, die soziale Schicht des Elternhauses, der berufliche Hintergrund und Erfahrungshorizont der Eltern, der Freundeskreis, das Image eines Berufs sowie die Zukunftsfähigkeit usw. Gerade der berufliche Hintergrund der Eltern hat regelmäßig einen starken Einfluss auf die Entscheidungsfindung. Hier spricht man von sozialer Vererbung, die besonders bei den Lehrern, Ärzten und Juristen ausgeprägt ist.

Bologna-Reform hat die Studienwahl nicht leichter gemacht

Die Komplexität der Entscheidungsfindung ist seit Einführung des zweistufigen Studiensystems (Bachelor und Master) noch größer geworden. Aktuell stellen sich den Schulabsolventen etwa 9.000 Bachelorstudiengänge zur Auswahl. Soziale Medien vermitteln zwar eine Vielzahl von wesentlichen Informationen für die Berufswahl, tragen aber zudem auch zur Verwirrung aufgrund der Fülle an Informationen bei.

Rolle der Eltern bei der Studien- und Berufswahl

Die Eltern spielen im Berufsfindungsprozess eine wesentliche Rolle. Eltern sollten die Entscheidung nicht für die Jugendlichen treffen, sondern an der Entscheidungsfindung aktiv mitarbeiten und vorbereiten, sie sollten Ihre Kinder nicht beeinflussen, sondern anregen und weiterhin sollten Eltern nicht bevormunden, sondern kooperieren.

Handlungsanleitung für die Entscheidungsfindung

Als kleine Handlungsanleitung um die Berufswahl oder die Studienwahl zu erleichtern, können vielleicht die folgenden fünf Punkte dienen:

  1. Sich selbst kennenlernen: Was habe ich für Interessen und Neigungen, welche Wünsche, Erwartungen und Ziele habe ich?
  2. Die Berufswelt kennenlernen: was gibt es für interessante Berufe, welche Berufsfelder gibt es, welche Anforderungen sind damit verbunden, welche Merkmale weisen die Berufe auf?
  3. Abgleich Individuum und Berufswelt: Interessen, Fähigkeiten, Eignungen, Tätigkeiten, Anforderungen
  4. Erkundung von interessanten Berufen: Erkundung interessanter Arbeitsplätze, Einholung von Informationen von Fachleuten, Erstellung einer Rangliste der bevorzugten Berufe, Ausprobieren von bevorzugten Berufe
  5. Entscheidungsfindung: dafür muss man wissen: Welcher Ausbildungsweg führt mich zu meinem Beruf? Welche Weiterbildung gibt es? Wie sind die Zukunftsaussichten?

Wem es schwerfällt dieser Handlungsanleitung alleine zu folgen, sollte dies mit Unterstützung seiner Eltern tun. Wenn es den Eltern schwer fällt neutrale Hilfestellung zu leisten, dann sollte man überlegen, ob es sinnvoll ist sich Hilfe durch einen professionellen Berufsberater oder Studienberater zu suchen.

abiturlernen dankt Jan Bohlken, Gründer und Leiter des Profiling Instituts (https://www.profiling-institut.de) herzlich für diesen Gastbeitrag auf unserem Blog.

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