Liebe Blogleser,
vergangene Woche hatte ich die MNU-Tagung in Dortmund besucht. Als MNU-Mitglied sind diese Veranstaltungen für mich immer wieder willkommene Quellen zur eigenen Weiterbildung und zum Austausch mit Lehrerinnen und Lehrern geworden. Auch nach diesem Besuch bin ich mit einem DinA5-Heft voll Informationen und Ideen zurückgekehrt.

Wie kann ich langfristig und mit System lernen?

Meine Hauptaugenmerk lag bei der Auswahl der Vorträge dieses mal auf dem Thema „Lernen lernen“. Dies ist jedes Abiturjahr auf ein Neues problematisch für die Schülerinnen und Schüler.
Nun, ich entstamme einer Schulzeit mit Frontalunterricht und schwarz-weiß gedruckten Büchern. Google, Internet und Vierfarbdruck waren weit weg. Allerdings gab es schon Mengenlehre und Gruppenarbeit und nach Alkohol riechende Kopien (damals noch Abzug genannt).

Lernen eine Herausforderung

Lernen war auch damals eine Herausforderung, obwohl von viel weniger Ablenkungen begleitet als heute…
Einen entscheidenden Vorteil hatten diese “altertümlichen” Bücher jedoch: wo heutzutage mit verschiedenen Farben gedruckt, gerahmt und markiert wird, musste die SchülerInnen dieser Zeit das alles selbst übernehmen. Unterstreichen, einrahmen, ausmalen. Alles Dinge, die heute meist schon erledigt sind…
Für den Lernprozess an sich sind diese Tätigkeiten aber absolut wichtig.
Moderne Schulbücher haben auch einen sogenannten “roten Kasten”. Ein kleiner meist am Seiten- oder Kapitelende angebrachter Kasten, der das Wichtigste dieser Lerneinheit zusammenfasst. Merkebox, Wissensbox oder Spickzettel sind auch ganz gebräuchliche Namensgebungen für diese Lernzusammenfassung.
Lernen ist jedoch ein ganz individueller Vorgang.

  • Welches Vorwissen bringe ich mit?
  • Wie kann ich das neu Erlernte mit meinem bisherigen Wissen verknüpfen?
  • Was ist mir an diesem Thema besonders wichtig?
  • Habe ich wirklich alles verstanden?

So ist der vorgefertigte rote Kasten zwar ein tolles Werkzeug für die Schülerinnen und Schüler und hilft ungemein Zeit einzusparen, doch trifft er auch das individuelle Vorwissen und die jeweilige Lebensrealität des Lesers? Sind die Formulierungen so gewählt, dass diese auch wirklich vom Lernenden verstanden werden?

roter Kasten, selbst gemacht!

Nun: Sie lesen dies sicherlich schon aus meinen Formulierungen heraus:
Es ist vernünftig diesen kleinen roten Kasten tatsächlich selbst zu erstellen. „Do it yourself“ kostet zwar ein bisschen Zeit, ist aber langfristig gesehen die weit erfolgreichere Strategie.
Am Besten ist es, Sie legen sich ein kleines Büchlein an, in dem Sie Seite für Seite Ihre roten Kästen notieren. DinA4- oder DinA5-Spiralblöcke sind hierfür bestens geeignet, da die Merkseiten zu den jeweiligen Fachordnern geheftet werden können. Wer es klassisch mag, legt sich für jedes Fach eine kleine Kladde mit den Merkseiten an.

Was kommt in den roten Kasten?

Die Frage ist nun: Was innerhalb dieses großen Wissensschatzes muss gesichert werden?
Regeln für den „roten Kasten“:

  • vor dem eigentlichen Aufschreiben: sich mit der Thematik AKTIV auseinandersetzen!
  • Nichts aufschreiben, das nicht verstanden wurde
  • in eigenen Worten formulieren
  • gute Formulierungen, die mir gefallen und ich verstanden habe kann ich übernehmen
  • „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ -> Skizzen anfertigen, Ablaufschemata verwenden…
  • Beispiele und Gegenbeispiele aufführen
  • Tabellen oder Listen zur Strukturierung einsetzen
  • Vorstellungen (z.B. Bruchrechnen/Pizza teilen) miteinbauen
  • eine „Gebrauchsanleitung“ aufschreiben….–> wie gehe ich mit dieser Formel um, wie ist diese Graphik auszuwerten?
  • Jemanden überprüfen lassen, dem ich vertraue (menschlich und fachlich!)

So wird neues Wissen übersichtlich und in Ihrem Wissenskonzept gespeichert.
Damit ist ein Anfang gemacht!
Gruß Martina Henn-Sax

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