Mein Mann und ich nehmen einmal im Jahr an einer Oldtimer-Rallye hier in Göttingen teil. Ich gebe zu, wir nehmen dieses Unterfangen nicht allzu ernst, wollen nur nicht Letzte in der Gesamtwertung sein. Das ist uns bisher auch immer geglückt.
Trotzdem: wir könnten viel besser sein, würde ich das was ich normalerweise lehre und tue auch bei dieser Rallye anwenden…

und was das mit Ihren Abiturprüfungen zu tun hat!

Gleichzeitig gibt mir dieses Event aber die Gelegenheit Lernmechanismen in Form dieses Blogartikels aufzuarbeiten. Denn genau einmal im Jahr – bei der Oldtimer-Rallye mache ich so ziemlich jeden Fehler, den man in der Prüfungsvorbereitung nur tun kann!

Eine Rallye gegen sich selbst!

1.) ich gehe unvorbereitet zur Rallye

Warum soll ich mich vorbereiten? Es geht doch um Nichts!
Ist das wirklich so? Geht es wirklich um Nichts? Rede ich mir nur ein, dass es mir egal ist wie gut oder schlecht wir abschneiden, weil ich zu faul bin die notwendige Arbeit zu tun und nochmals die Unterlagen bzw. das Buch zu den Oldtimer-Rallyes rauszukramen?
Eher letzteres ist der Fall. Ich schiebe meine Vorbereitung bis zur letzten Minute auf. Und anstatt die Zeichen, Kartenlesetricks und Hinweise im Lehrbuch nochmals anzusehen verschütte ich meinen Frühstückskaffee und bin schon froh, dass wir nach diesem morgendlichen „jetzt sind alle wach“ – jedenfalls die, die den Kaffee abbekommen haben nicht zu spät zur Fahrerbesprechung kommen.

2.) Panik!

Nun bin ich soweit. Es ist Fahrerbesprechung und ich habe das Gefühl, dass ich mich hätte besser informieren müssen. Wie viele Strafpunkte gab es? Was ist „Gegenrichtung“. Muss ich ja nicht wissen, wir wollen ja nur nicht Letzte* werden.

3.) wird schon!

Wir starten los in die Morgenrunde. 180 Kilometer liegen vor uns, wir haben drei Stunden Zeit. Das sollte doch zu schaffen sein, oder. Natürlich ist die Kommunikation schlecht und schon beim ersten Zeitfahren verlieren wir wichtige Punkte weil mein Kommando „gib Gas“ fehlinterpretiert wird….
Wir nehmen uns Zeit zum Kartenstudium. Das ist auf der einen Seite sinnvoll, andererseits sind drei Stunden garnicht so lange für die knifflige Strecke. Wir begegnen anderen Oldtimern und unser Vertrauen schwindet….“Warum biegt der denn rechts ab, wir sollten doch links! Oder doch nicht?“
Wer nicht vorbereitet ist, kann sich auch nicht selbst vertrauen. Schade eigentlich!
Wir beenden die Runde ohne die letzte Aufgabe zu lösen. Uns fehlt die Zeit. Es gibt Strafpunkte für die zu späte Zieleinfahrt, ab + 20 Minuten steht die Disqualifikation an….wir brechen ab und fahren direkt zum Ziel. Dort stellen wir fest: die Strafpunkt für das späte Einfahren waren gar nicht so hoch wie wir dachten. Hätten wir doch noch die letzte Aufgabe lösen können, wertvolle Punkte verschenkt! Ja, Vorbereitung ist eben alles!

4.) aus Erfahrung lernen

Die Nachmittagsrunde beginnt nach einem kurzen Snack. Wieder gut 180 km, wieder 3 Stunden Zeit für 11 Aufgaben, verzwickte Karten etc.
Die Erfahrung aus der Morgenrunde macht uns souveräner. Den Nachmittag überstehen wir ohne große Probleme. Jetzt wird klar: hätten wir einmal in die Unterlagen gesehen, hätten wir einmal das Rallyewissen wiederholt, dann wäre der Morgen auch viel reibungsloser und mit Sicherheit mit weniger Fehlern abgelaufen. Das ist eindeutig!

Rallye optimal: Vorbereitet sein = Lernen – Wiederholen – Anwenden

Es wäre doch garnicht so viel Aufwand gewesen:

Hört sich doch viel entspannter an, oder?
Genau so wie bei der Oldtimer-Rallye ist es mit der Klausur- oder Abiturvorbereitung:

Schnell ist es zu spät! Im März bzw. im April finden die Abiturprüfungen statt! Nutzen Sie Ihre Zeit sinnvoll!

Spacing Effect

Zum Abschluss noch eine schöne Erkenntnis aus der Lernpsychologie: Intervall-Lernen ist effizienter als nur einmal zu Wiederholen!
Wir vergessen schnell! Es ist spannend: das Meiste vergessen wir in den ersten Stunden oder Tagen bzw. Wochen nach dem Lernereignis.
Wiederholen wir die Lerninhalte in regelmäßigen Abständen, so können wir langfristig deutlich mehr behalten. Dieses Intervall-Lernen wirkt dem Vergessen entgegen. Ereignisse oder Lerninhalte werden schlechter vom Lernenden aufgenommen, wenn zwischen den Wiederholungen sehr lange Zeitabstände liegen. Optimal ist eine Wiederholung nach einer sehr kurzen Zeitspanne zu Beginn des Lernvorgangs, dann sind längere Zeiträume zwischen den Lernwiederholungen möglich.
Vorschlag für eine optimale Lerneinteilung:

Machen Sie sich einen Lernplan, der diese Wiederholungsphasen berücksichtigt!
Der Spacing Effekt beschreibt also den spezifischen Lerneffekt, der durch Wiederholen in immer größer werdenden Abständen entsteht. Quelle: http://lexikon.stangl.eu/9382/spacing-effect-intervall-effekt/
Also sollte ich in spätestens einem Monat die Rennunterlagen wieder rauskramen ….
Besten Gruß
Martina Henn-Sax
* Anmerkung: Immerhin: das ist uns geglückt mit Platz 40 von 54 bzw. Platz 25 von 40 Fahrzeugen in unserer Startgruppe :-) Das soll aber keine Rechtfertigung für eine ungenügende Vorbereitung sein!

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