Ein Gastbeitrag von Patricia – Praktikantin bei Wegweiser-Freiwilligenarbeit, dem Portal für flexible Freiwilligenarbeit im Ausland.
Wie bereits im Abiturlernen.de-Blogpost zu Studien- und Berufswahl vom 10. Januar angesprochen, nutzt eine Vielzahl an Abiturient*innen die Zeit zwischen Abitur und Studien- oder Ausbildungsbeginn für einen Einsatz in der Freiwilligenarbeit im Ausland.
Als sinnvolle Auszeit bietet ein solcher Einsatz zahlreiche Möglichkeiten: Freiwillige können erste praktische Erfahrungen im Ausland machen, einen Berufswunsch überprüfen oder ein Vorpraktikum absolvieren, Sprachkenntnisse verbessern, andere Kulturen kennen lernen – und all das während sie gleichzeitig etwas Nützliches tun.
Sie sammeln während ihres Einsatzes nicht nur wertvolle Erfahrungen für ihr Studium und den späteren Beruf, sondern lernen sich selbst, die Welt und ihre Mitmenschen besser kennen. Gerade nach dem Abitur kann das sinnvoll sein, da diese Zeit für die meisten eine Orientierungsphase ist.
Dabei gibt es verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für Freiwilligenarbeit im Ausland nach dem Abitur, die sich grob in zwei Kategorien einteilen lassen:

  • Ein Einsatz für ein paar Wochen oder Monate, um die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn zu überbrücken, wenn dieser noch im gleichen Jahr sein soll.
  • Ein Einsatz für ein ganzes Jahr oder länger im Rahmen eines sogenannten GAP-Year, bei dem sich der Studienbeginn entsprechend nach hinten verschiebt.

Mit flexibler Freiwilligenarbeit organisiert von privaten Freiwilligenorganisationen ist beides möglich.
Mit den öffentlich geförderten, sogenannten geregelten Freiwilligendiensten wie weltwärts, dem Internationalen Jugend-Freiwilligendienst (IJFD), dem Europäischen Freiwilligendienst (EFD) oder kulturweit ist hauptsächlich letzteres möglich.

Freiwilligenarbeit im Ausland zwischen Abitur und Studienbeginn im gleichen Jahr

Es ist oft so, dass Abiturient*innen sich vor und während der Prüfungsphase vollständig auf die Prüfungsvorbereitung konzentrieren und wenig Kapazitäten dafür aufwenden die Zeit danach zu planen. Das Bestehen des Abiturs und die Abschlussnote sind verständlicherweise absolute Priorität.
Die Bewerbungsfristen für Studiengänge sind in der Regel so gelegt, dass es auch reicht sich nach den Prüfungen mit dem Studienangebot auseinanderzusetzen. So können die meisten Abiturient*innen noch im Herbst des gleichen Jahres ein Studium beginnen, sofern sie einen Platz in ihrem Wunsch-Studiengang bekommen.
Aber was ist mit der Zeit zwischen dem Ablegen der Abiturprüfungen im Frühling und dem Studienbeginn im Herbst? Meistens steht hier den Abiturient*innen ein ganzer Sommer zur Verfügung, ohne dass sie Zeit gehabt hätten richtig dafür zu Planen.
Zum Glück lässt sich Freiwilligenarbeit im Ausland mit ein bisschen Flexibilität auch dann noch organisieren. Die Fristen der geregelten Freiwilligendienste sind zwar bereits abgelaufen. Da die geregelten Einsätze aber häufig mindestens für ein Jahr ausgeschrieben werden, eignen sie sich ohnehin nicht, um die Zeitspanne eines Sommers zu überbrücken.
Die sogenannte flexible Freiwilligenarbeit, die von privaten Freiwilligenorganisationen vermittelt wird, eignet sich in diesem Fall besser. Diese Organisationen arbeiten meist mit Projekten vor Ort in verschiedenen Einsatzländern zusammen, die in der Regel auch mit einer geringen Vorlaufzeit von wenigen Wochen oder Monaten Freiwillige aufnehmen.
Das heißt hier können Abiturient*innen sich selbst nach den Prüfungen noch für ein Projekt melden, das sie kurz danach antreten wollen. Da die Teilnahme meistens schon ab einer Einsatzdauer von 2 Wochen möglich ist, passt ein solcher Einsatz sehr gut in die Zeit bis zum Studienbeginn im Herbst des gleichen Jahres.
Angehende Freiwillige haben eine große Auswahl was Organisation, Zielland und Projektart angeht. Der erste Schritt ist meistens die richtige Freiwilligenorganisation zu finden. Private Freiwilligenorganisationen können sehr verschieden sein. So gibt es gemeinnützige Vereine, die sich auf ein bestimmtes Land spezialisiert haben genauso wie breit aufgestellte Social Enterprises, die Kontakte zu zahlreichen Projekten in verschiedenen Ländern haben. Bei der Auswahl hilft es, sich eine Checkliste zu machen mit den Erwartungen und Wünschen, die man an eine Organisation hat.
Sobald die Entscheidung für eine Organisation gefallen ist, können die angehenden Freiwilligen sich mit dieser in Verbindung setzen und mit ihren Ansprechpartnern dort gemeinsam alles Weitere klären. So finden sie auch das richtige Projekt und können ihren Freiwilligen-Einsatz individuell auf ihre Bedürfnisse und Interessen abstimmen.
Wichtig: Alle Kosten, die bei dem Einsatz entstehen, tragen die Freiwilligen selbst. Eine seriöse Freiwilligenorganisation wird damit transparent umgehen und von Anfang an deutlich machen welche Kosten anfallen und wo das Geld hinfließt.

Freiwilligenarbeit im Ausland als GAP-Year

Obwohl sich die geregelten Freiwilligendienste hervorragend für ein GAP-Year in der Freiwilligenarbeit eignen, ist es für Kurzentschlossene wahrscheinlich schon zu spät, wenn sie erst nach den Abiturprüfungen feststellen, dass sie sich gerne bei weltwärts, dem IFJD, dem EFD oder kulturweit bewerben würden.
Das Bewerbungsverfahren der Organisationen, die im Rahmen dieser geregelten Freiwilligendienste Plätze ausschreiben, beginnt nämlich meistens bereits 8 bis 12 Monate vor Projektbeginn – und ein Großteil der Projekte fängt im Zeitraum von Juli bis September an.
Selbst jetzt im Februar ist also in den meisten Fällen das Bewerbungsverfahren für 2018 schon abgeschlossen. Wer Glück hat, schafft es eventuell noch sich für einen der wenigen Plätze zu bewerben, deren Reiseantritt im Januar oder Februar 2019 liegt.
Je nachdem wie lange der Einsatz dauert, kann das natürlich den Studienbeginn weiter nach hinten verschieben. Für einen Platz im Rahmen eines geregelten Freiwilligendienstes, der direkt nach den Abiturprüfungen 2018 anfangen soll, stehen die Chancen also eher schlecht.
Wer trotzdem kurzfristig nach den Abiturprüfungen ein GAP-Year in der Freiwilligenarbeit antreten möchte, hat mit flexibler Freiwilligenarbeit die Chance dazu. Die relative Flexibilität privater Freiwilligenorganisationen ermöglicht auch Einsätze von einem Jahr oder länger.

Ein Freiwilligendienst mit weltwärts & Co. will geplant werden

Für Abiturient*innen, die sich schon lange vor den Prüfungen dazu entschlossen haben ein ganzes Jahr Freiwilligenarbeit im Ausland zu machen, bieten die geregelten Freiwilligendienste gute Möglichkeiten. Wer 2019 Abitur macht, liegt sehr gut in der Zeit, wenn sie oder er im Frühjahr 2018 mit dem Planen anfängt.
Anhand des Beispiels weltwärts lässt sich gut veranschaulichen wie Bewerbung und Teilnahme ablaufen können:
Was? – Thema Entwicklungszusammenarbeit, Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Wie lange? – Einsatzdauer min. 6 Monate, max. 2 Jahre.
Wann bewerben? – 8-12 Monate vor Reiseantritt.
Wie? – In der weltwärts-Stellenbörse eine Organisation suchen, Stellenausschreibung für ein Projekt finden, Bewerbung an die jeweilige Organisation schicken.
Achtung – Hoher Wettbewerb, 2016 waren es durchschnittlich vier Bewerber pro Platz.*
Geregelte Freiwilligendienste im Ausland wie weltwärts, der IJFD oder kulturweit sind Förderprogramme, die Stellen für Freiwillige bei Organisationen finanziell unterstützen, aber die Freiwilligenarbeit nicht selbst organisieren. So sind die von den Freiwilligen selbst zu übernehmenden Kosten geringer als bei flexibler Freiwilligenarbeit.
Bei weltwärts funktioniert die Finanzierung zum Beispiel so: Das Förderprogramm deckt die Kosten jeder Stelle zu 75 Prozent. Den Rest finanziert die jeweilige Organisation, die die Stelle ausschreibt, selbst. Da es sich um gemeinnützige Organisationen handelt, die nicht über viele Mittel verfügen, bitten sie meistens die Freiwilligen bei der Finanzierung zu helfen und Spenden für ihren Einsatz zu sammeln.

Die wichtigsten Teilnahme-Bedingungen auf einen Blick:

  • Alter bei Projektbeginn 18-28 Jahre.
  • Deutsche Staatsbürgerschaft oder ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Deutschland. 
  • Abitur, Fachhochschulreife oder Haupt- bzw. Realschulabschluss mit abgeschlossener Ausbildung.
  • Kenntnisse der Sprache im Gastland und/oder gutes Englisch.

Flexible Freiwilligenarbeit oder geregelter Freiwilligendienst?

Ein geregelter Freiwilligendienst lohnt sich besonders für alle Abiturient*innen, die eine langfristige Planung im Voraus nicht scheuen und sich schon früh für ein GAP-Year in der Freiwilligenarbeit im Ausland nach dem Abi entscheiden. Durch die öffentliche Förderung können die Kosten für sie hier geringer ausfallen.
Wer es nicht schafft sich bereits vor den Abiturprüfungen mit der Planung eines Freiwilligen-Einsatzes zu befassen oder nur ein paar Wochen oder Monate zwischen Abi und Studienbeginn überbrücken möchte, wendet sich am besten an private Freiwilligenorganisationen. Sie ermöglichen Abiturient*innen eine flexible und individuell angepasste Gestaltung der Freiwilligenarbeit.
Quellen
*AKLHÜ, Freiwillige in internationalen Freiwilligendiensten, Seite 38.

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